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Gellner & Collegen: Geburtsschadenrecht
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GEBURTSSCHADENRECHT – RECHTSBERATER FÜR ÄRZTE UND PATIENTEN

von Prof. (UA) Peter Gellner

artention-group
ISBN 3-00-00957-8

19,90 Euro
zzgl. 1,50 Euro Versand

Die Geburtshilfe ist eines der haftungsträchtigsten Gebiete in der Medizin. Jedes Jahr werden in Deutschland rund 800.000 Kinder geboren. Experten sprechen von etwa 5.000 bis 15.000 Kunstfehlern, die dabei passieren und in manchen Fällen zu schweren Behinderungen bei den Neugeborenen führen. Der vorliegende Rechtsberater “Geburtschadenrecht” informiert anhand von praktischen Fällen aus der Rechtssprechung über die Rechtslage in Deutschland.

Er soll so Ärzten und Eltern als Leitfaden und Hilfsmittel im konkreten Schadensfall, der für die Betroffenen zu ganz erheblichen Konsequenzen führt, dienen. Er gibt dem juristischen Laien einen umfassenden und verständlichen Überblick über das Geburtsschadenrecht in Deutschland. Somit stellt dieses Buch zum Erscheinungszeitpunkt das in dieser Form einzige Fachbuch dar, das sich ausführlich mit diesem Komplex befasst. Im Anhang befindet sich ein Register mit zahlreichen Kontaktadressen.

Lesen Sie hier einen Auszug aus “Geburtsschadenrecht”:

a) Sauerstoffmangel

Sauerstoffunterversorgungen des Gehirns besitzen vielfach tatsächlich einen Zusammenhang mit dem Geburtsgeschehen. Bei diesen Situationen, wie beispielsweise einer Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr zum Kind aufgrund einer Nabelschnur-Komplikation oder einer teilweisen oder vollständigen vorzeitigen Lösung der Nachgeburt sind krankhafte Veränderungen des Gehirns mit entsprechenden Folgen nach etwa zehn bis fünfzehn Minuten Dauer zu erwarten.

Nicht unerwähnt bleiben sollte in diesem Zusammenhang allerdings auch, dass nicht alle Zeichen einer kindlichen Hypoxie vor, unter oder unmittelbar nach der Geburt zwangsläufig mit einer Schädigung einhergehen. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei ganz gleichartiger Symptomatik durchaus auch gesunde Kinder geboren werden können.

b) Plexus-Brachialis-Lähmungen

Die Schädigung des Plexus Brachialis (Nervengeflecht des Schultergürtels und Armes) ist eine recht seltene Folge des Geburtsvorgangs. Sie kommt lediglich bei etwa einer Geburt von 2.000 vor, wobei sich ca. 90 Prozent spontan erholen. In den übrigen 10 Prozent der Fälle aber bleiben schwerwiegende Gesundheitsschädigungen bestehen. Diese liegen in mehr oder minder ausgeprägten Lähmungen des betroffenen Armes. Nicht jede Plexus-Brachialis-Lähmung ist allerdings auf ein ärztliches Fehlverhalten zurückzuführen. Beim Herausziehen des Kindes durch den Geburtshelfer kann die vordere Schulter über der Symphyse (Schambeingefüge) hängen bleiben und zu dieser Schädigung führen. Im Einzelfall kann dieses Herausziehen zu extrem und damit fehlerhaft oder aber fehlerfrei sein. Risikofaktoren für eine Plexus-Brachialis-Lähmung sind eine bereits vorausgegangene Geburt, eine dabei entstandene Schulterdystokie (gestörter Geburtsverlauf) erhöht nochmals das Risiko für eine erneute Schädigung, schließlich ein großes Kind. In den meisten Fällen könnte eine Armplexus-Lähmung durch eine Sectio verhindert werden, aber auch eine prophylaktische primäre Sectio verhindert sie nicht zu hundert Prozent.

Sollte eine der o.a. Risikofaktoren vorliegen, so ist der Geburtshelfer grundsätzlich verpflichtet, rechtzeitig die erforderliche Aufklärung über die Indikation zur Schnittentbindung vorzunehmen und die Einwilligung der Patientin einzuholen. Die Patientin muss so in die Lage versetzt werden, dass sie selbstverantwortlich entscheiden kann, ob sie eigene Risiken durch die Schnittentbindung in kauf nimmt, oder das Verletzungsrisiko beim Kind bleiben soll.

c) Risiken und Schädigungen in der Perinatalperiode

Eine Reihe von Erkrankungen kann durch entsprechende Kenntnisse, aber auch Untersuchungen in der Perinatalperiode frühzeitig erkannt werden. Es spielt der Wissensstand des einzelnen Kinderarztes und Neonatologen, aber auch Geburtshelfers eine bedeutende Rolle. Auch die organisatorischen Voraussetzungen an geburtshilflichen Abteilungen mit kinderärztlicher Beteiligung und damit auch kinderärztlicher Verantwortung, insbesondere die personelle Ausstattung, sind von Bedeutung (hierzu später noch mehr). So kann es vorkommen, dass trotz hoher fachlicher Qualifikation die organisatorischen ärztlichen und pflegerischen Voraussetzungen unzureichend sind. Derzeit sind statistisch zwei bis fünf Prozent aller Neugeborenen körperlich fehlgebildet und/oder geistig behindert. Mittels Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft können zahlreiche Krankheitsbilder und Missbildungen schon frühzeitig erkannt werden.